Pubertät: Wenn aus Jungen Männer werden

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Jungen in der Pubertät erleben neben körperlichen auch psychischen Veränderungen. In dieser Phase sind Jungen weder Fisch noch Fleisch. Das kann für den Heranwachsenden aber auch für die Eltern eine aufreibende Zeit sein. Erfahre hier, welche Vorgänge in der Vorpubertät und der Pubertät stattfinden und wie du am besten damit umgehst.

Irgendwann kommt bei jedem Jungen die Zeit, in der er in die Übergangsphase vom Jungen zum Mann kommt. Dann beginnt sich nicht nur sein Körper zu verändern, auch mental tut sich enorm viel. Seine Gefühle und Verhaltensweisen ändern sich: er lotet seine Grenzen aus, ist bockig, vielleicht aggressiver und oft verschlechtern sich auch seine Schulleistungen. All das ist in der Pubertät deines Sohnes völlig normal, schließlich produziert sein Körper das Männlichkeitshormon Testosteron in rauen Mengen. Der veränderte Hormonhaushalt beeinflusst sein Aussehen und seine Psyche direkt. Damit muss er erstmal klarkommen. Doch was passiert in der Vorpubertät und Pubertät deines Sohnes genau?

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    Wann beginnt die Pubertät?

    Oft werde ich gefragt: „Mein Sohn ist 10, kann er schon in der Vorpubertät sein“? Im Alter von ca. 09 bis 11 Jahren beginnt bei Jungen die sogenannte „Vorpubertät“. Rein medizinisch gibt es diese Phase nicht, sie ist bereits der Beginn der Pubertät. Eine erste Welle von Sexualhormonen führt dazu, dass die Hoden deutlich wachsen und die ersten Schamhaare wachsen.

    Die Pubertät setzt bei jedem Jungen zu unterschiedlichen Zeiten und Stärken ein. Daher haben Jungen im Alter zwischen 9 und 11 Jahren oft auch unterschiedliche Interessen. Der eine spielt zuhause mit Lego, während sein Schulfreund lieber im Skaterpark abhängt.

    Zusätzlich steigt die Testosteronkonzentration im Körper nicht linear, sondern in Wellen. Das kann bedeuten, an einem Tag liebt es dein Sohn mit Playmobil zu spielen, während er am nächsten Tag in Jugendmagazinen blättert.

    Zwischen 9 und 11 sprühen Jungen förmlich vor Energie. Das führt zu einem enormen Bewegungsdrang. Die Jungen sind unruhig und nicht nur sie leiden öfters unter Stimmungsschwankungen, sondern auch ihr Umfeld. Und der Prozess der Abgrenzung beginnt. Sie rebellieren oder zeigen Trotzverhalten gegen bestehende Familienregeln.

    Wenn dein Sohn dann 12 wird, beginnt sich sein Körper stark zu verändern. Jedoch auch psychisch findet in dieser Phase der Pubertät starke Veränderungen statt. Typisch sind Aggression, Aufmüpfigkeit, Abgrenzung und oft auch Streit. Die Gruppe der Gleichaltrigen, seine Peergroup wird wichtiger. Dort sucht er Bestätigung, Anerkennung und Status, aber auch männliche Vorbilder.

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    Entwicklungsschritte vom Jungen zum Mann

    Es gibt eine ungefähre Reihenfolge, wie die körperliche Entwicklung von Jungen in der Pubertät sich vollzieht. Wobei, jeder Junge ist anders, daher kann auch die Entwicklung unterschiedlich sein. Oft sind Jungen verunsichert, wenn sie die körperlichen Veränderungen bemerken. Daher ist es gut, wenn dein Sohn im Vorfeld weiß, wie die Entwicklungsschritte sind. Jungen tun sich oft auch leichter, mit einem Mann darüber zu reden. Da kann der Vater oder eine männliche Vertrauensperson am besten unterstützen

    Die Hoden beginnen zu wachsen

    Im Schnitt mit 11 Jahren beginnen die Hoden sich zu vergrößern. Die Haut pigmentiert stärker und wird dunkler. Viele Jungen machen sich Sorgen, wenn sie bemerken, dass ihr Hoden sich verändert. Erkläre deinem Sohn, dass das vollkommen normal ist.

    Beginn der Schambehaarung

    Gleich nach Beginn des Hodenwachstums erscheinen auch schon die ersten Haare. Als erstes am Penisansatz und dann auch in den Achseln. Viele Jungen bevorzugen es, sich die Schamhaare zu rasieren. Dafür sollte er sein eigenes Rasierset haben. Es ist auch gut, wenn du ihm erklärst, wie er sich rasieren kann, ohne sich zu verletzten.

    Der erste Samenerguss

    Im Schnitt mit 12 Jahren erleben Jungen den ersten Samenerguss, oft als „feuchten Traum“ in der Nacht. Der erste Erguss ist der Moment, wann dein Sohn zum ersten Mal seine Sexualität bewusst erlebt. Ab dann verändert sich sehr viel für ihn. Die Orientierung zu seiner Sexuellen Identität beginnt. Oft ist diese Phase mit Scham verbunden. Damit solltest du mit Respekt umgehen und für Fragen offen sein. Ein, wie durch Zufall verfügbares Buch und Jugendmagazine können ihm ein Ratgeber sein.

    Der Penis wächst

    Der Penis beginnt meist irgendwann zwischen dem 10 und 16 Geburtstag zu wachsen. Durch diese Spannbreite lässt sich schon erkennen, dass es für Jungen sehr belastend ist, wenn sie zu den Spätzündern gehören. Viele Jungen definieren sich unter anderem über die Größe ihres besten Stücks. Liebevolle Gespräche und Aufklärung sind wichtig, vor allem dann, wenn dein Sohn noch nicht so weit ist, wie seine Freunde. Das Wachstum des Penis´ ist in der Regel mit 18 Jahren abgeschlossen.

    Der Wachstumsschub

    Bei Jungen in der Pubertät beginnt der Wachstumsschub meist zwischen dem 12 und 16 Jahr. Kurz bevor sie hochschießen, werden viele Jungen etwas rundlicher, da sind Diäten oder ähnliches absolut unnötig. Sie packen ihre Energiereserven voll, die sie dann brauchen, wenn sie bis zu 12 cm pro Jahr wachsen. Die Anzahl der Muskelzellen steigert sich um das 14fache und die Knochenmasse verdoppelt sich.

    Der Stimmbruch

    Wenn sich dann der Adamsapfel vergrößert und die Stimmbänder länger werden, sind Jungen irgendwo zwischen 12 und 15 Jahren. Dann kann man auch deutlich hören: Da steht ein junger Mann vor dir!

    Wann ist die Pubertät beendet?

    Meist beginnt bei Jungen mit etwa 17 Jahren die Spätpubertät. Dein Sohn ist dann schon erwachsen, seine körperliche Entwicklung ist so gut wie abgeschlossen und im idealen Fall hat er seine sexuelle Identität gefunden. Auch sollte die Loslösung vom schützenden Elternhaus vollzogen sein.

    Noch nicht abgeschlossen ist die psychische Entwicklung. Meist brauchen Jungen mit 16 Jahren noch Zeit, ihren Platz in der Welt zu finden: Sie suchen noch nach ihren Werten, denken über ihre Zukunft nach und probieren sich aus. Wichtig in dieser Phase ist, deinen Sohn diese Schritte selbst machen zu lassen. Auch wenn die Gefahr besteht, dass er auf die Schnauze fällt. Nur so kann er sich zu einem eigenständigen, selbstbewussten Mann entwickeln.

    Die meisten, großen Konflikte sollten jedoch vorüber sein. Dein Sohn hat sich an seinen neuen Körper, seine Männlichkeit gewöhnt und die Hormone kommen weniger in Schüben.

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      8 Tipps für Eltern während der Pubertät des Sohnes

      „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“,

      sagte der bekannte deutsche Lyriker Otto Julius Bierbaum

      Humor als Fähigkeit und Bereitschaft, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren – so die Definition nach dem Duden. Mit Humor Dinge zu sehen und humorvoll, nicht sarkastisch, zu kommunizieren ist genau die Einstellung und Form der Kommunikation, die auf Gefühlen und Emotionen basiert. Sie bringt eine Leichtigkeit in Gespräche, dass oft Lösungen für Probleme entstehen können, die mit der Ernsthaftigkeit des Verstandes nicht zu erreichen wären.

      Wundere dich über das was passiert

      Ein weiterer interessanter Aspekt ist, wundere dich über die Wunder der Natur, wie dein Sohn sich entwickelt und wie er beginnt selbstständig zu werden. Unterstütze ihn bei seinen, vielleicht etwas tollpatschigen Versuchen ein Mann zu sein. Oft hilft es auch, sich zurückzuerinnern, wie es war, als du in seiner Situation warst. Was hättest du dir von deinem Vater, deinen Eltern gewünscht?

      Zeige Verständnis

      Für das Verhalten deines Sohnes. Oft reicht es, zu wissen, was gerade in ihm vorgeht. Er ist in der Pubertät, sein Hormonhaushalt ist durcheinander, er verändert sich gerade. Glaub mir, auch er leidet unter Konflikten, seiner ständigen Müdigkeit, seiner Lust- und Antriebslosigkeit. Nur, durch den Prozess muss er vorrangig alleine durch. Eltern sind Begleiter. (mehr dazu Geheimnisse aus meiner Pubertät)

      Übertrage ihm Stück für Stück Verantwortung

      Dein Sohn muss lernen, Verantwortung für sich und sein Handeln zu übernehmen. Da gehört es auch dazu, dass er Fehler macht und Dinge in die Hose gehen. Aus gemachten Fehlern lernt er und selbst gelöste Herausforderungen stärken sein Selbst Vertrauen. Dafür braucht er sehr viel Übung. Wenn dein Sohn dich braucht, wird er auch weiterhin auf dich zukommen. Dadurch, dass du ihm Scheibchenweise mehr Verantwortung übergibst, vergrößerst du auch seinen Freiraum. So kannst du ihm beispielsweise die Verantwortung für sein Zimmer übergeben. Aber: Um zu wissen, wie weit seine Verantwortung geht, was er tun und lassen muss, braucht es Regeln. Lies auch: Verantwortung übernehmen mit dem eigenen Zimmer

      Vertraue deinem Sohn.

      Wenn er merkt, dass die Eltern ihm Vertrauen, kann auch er sich selbst vertrauen.

      Bleib Präsent

      Dein Sohn braucht während seiner Entwicklung zum Mann von dir Halt, Geborgenheit und Schutz. Unaufdringliche Präsenz, da sein, wenn er dich braucht. Der Wechsel zwischen Nähe und Distanz, grad so wie dein Sohn es nötig hat, ist das, was ihn dabei unterstützt seinen Selbstwert zu entwickeln.

      Stelle Regeln auf

      Jungen, die erwachsen werden, brauchen Regeln. Ich nenne sie Leitplanken, an denen sie sich orientieren können. Achte aber auch darauf, dass sie nicht zu eng gesteckt werden und dem Entwicklungsstand deines Sohnes immer wieder angepasst werden. Für einen 12jährigen Jungen mag es passen, wenn er um 19:00 zu Hause sein muss, für einen 16jährigen ist das wahrscheinlich zu früh. Sprich mit deinem Sohn über die Regeln, ihren Sinn und Zweck und versuche ihn durch wohlgemeinte Argumente zu überzeugen. Sei dennoch kompromissbereit, dein Sohn entwickelt sich täglich. Mehr dazu: Jungen und Grenzen

      Bleib aufmerksam

      In der Pubertät wollen Jungen ihre Grenzen kennenlernen, wollen Neues ausprobieren und sich und anderen Beweisen, wie cool sie sind. So gut wie jeder Junge in der Phase hat Kontakt zu Drogen. Das ist für Eltern natürlich ein heikles Thema. Solltest du einen Verdacht haben, dass dein Sohn zu Drogen kontakt hat, suche das offene Gespräch. Verbote und Maßregelungen helfen da wenig. Und bitte spioniere deinem Sohn nicht hinterher. Zielführend ist eine offene Kommunikation, Aufklärung und gutes Vorbildverhalten.

      Dasselbe gilt für den Umgang mit Pornographie. Sicher ist, er wird damit in Kontakt kommen. Übermäßiger Pornokonsum hat negative Auswirkungen auf sein späteres Sexualleben und somit auf sein Selbstbild. Auch hier helfen Verbote nicht, es braucht ein aufklärendes Gespräch.

      Bleib in deiner Rolle

      Auch wenn sich das Verhältnis zu deinem Sohn sich im Laufe seiner Pubertät langsam und kontrolliert von Er-ziehung zu Be-ziehung wandeln kann, bist du für deinen Sohn verantwortlich. Du bist sein Vater oder seine Mutter, der Erziehungsberechtigte! Du bist nicht der Kumpel oder beste Freund deines Sohnes! Es ist wichtig situativ zwischen Nähe und liebevoller Abgrenzung zu variieren. Nur so kann dein Sohn dich als das akzeptieren und respektieren, was du bist: der Erziehungsverantwortliche!

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        1 comment
        1. Hallo Anton, Klasse Artikel. Leider liest es sich leichter als es dann konsequent umzusetzen ist. Aber wir Väter ( und Mütter) bemühen uns. Es sind auf jeden Fall wertvolle Informationen und Tipps, es ein wenig entspannter anzugehen . Hoffentlich bis bald in Kitzbühel in einem Camp

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