Mutter Sohn Beziehung in der Pubertät

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    Wenn der Sohn gegenüber der Mutter aggressiv ist.

    “Mein Sohn ist in der Pubertät und aggressiv gegenüber mir als Mutter, was kann ich tun?” “Warum ist mein Sohn so aggressiv?” “Die Wut meines Sohnes richtet sich gegen mich als Mutter…!” All das sind Auszüge aus E-Mails, die ich von verzweifelten Müttern bekomme. Sie betreffen vor allem Familien, in denen zumindest ein Sohn in der Pubertät ist. Also Jungen mit 11, 12, 13 oder 14 Jahren.

    Kennst du das auch? Vielleicht ist dein Sohn in der Pubertät, eventuell bist du alleinerziehend. Möglicherweise hat der Vater viel zu tun und wenig verfügbar. Diese Szenarien sind keine Seltenheit. In vielen Haushalten ist es gang und gäbe, dass die Mutter, neben dem Job, auch den Haushalt führt und sich vorwiegend alleine um die Erziehung ihrer Kinder kümmert. Sehr sicher sogar, wenn sie alleinerziehend ist.

    Hier eine Geschichte, wie sie mir vor kurzem mitgeteilt wurde. Ich telefonierte mit einer verzweifelten Mutter, deren Sohn offen aggressiv ist. Meist zeigte er seine Aggression gegen die Mutter. Sie konnte ihm nichts sagen, ohne dass er laut wurde, Türen knallte und sogar Dinge des Haushaltes zerstörte. Schauen wir uns mal die familiäre Konstellation ein wenig an:

    Die Situation dieser Familie:

    Eine Frau, Akademikerin, lebt zusammen mit ihrem neuen Partner in der dritten Beziehung. Ihre beiden Söhne (12 und 14 Jahre alt) sind aus der ersten Ehen, der neue Partner bringt eine Tochter mit in die Beziehung. Ihre Söhne haben mittlerweile nur noch sporadischen Kontakt mit ihrem leiblichen Vater, der Lebensmittelpunkt ist definitiv das Haus der Mutter.

    Das Problem derzeit ist, dass die Mutter der heranwachsenden Jungs, vor allem mit dem 14jährigen, überfordert ist. Sie ist, in Ihrer psychischen Konstellation, von sich aus eher “Haltlos”, das bedeutet sie gewinnt ihren Selbstwert und ihr Selbstbewusstsein eher über die Beziehung zu ihren Söhnen.

    Das führt aber dazu, dass sie an ihrem 14jährigen Sohn sehr festhält, sich an ihn klammert. Das führt zu Schwierigkeiten, der Junge schwänzt die Schule, ist in Kreisen unterwegs in denen Drogen konsumiert werden, kommt mit dem Gesetz in Konflikt und die Versetzung ist gefährdet. Außer dem sitzt er Stundenlang an PC, Playstation und Handy. Der Mutter ist es alleine und in ihrer Verfassung so gut wie nicht möglich, dem Jungen die notwendigen Bedingungen und auch Grenzen zu geben. Sofort wird er aggressiv, wenn sie ihm Anweisungen gibt.

    In dieser Phase, in dieser Konstellation fällt der biologische Vater als Bezugsperson komplett aus. Er hat keinen Zugriff auf seine Söhne, auf Nachrichten antworten sie nicht und seine Bemühungen, seine Jungen zu sehen werden von der Mutter kaum unterstützt. Er kann ihr also nicht behilflich sein.

    Der jetzige Partner könnte das schon eher. Die Frau bittet ihn immer wieder sie zu unterstützen und mit ihrem Sohn zu helfen. Das macht er auch, tut was er kann. Das Problem an der ganzen Sache ist, er stößt mit seinem Engagement wenig auf die Zustimmung seiner jetzigen Partnerin, der Mutter.

    Das eigentliche Problem, dass die Frau zu sehr an ihrem Sohn festhält, begründet sie mit ihren Argumenten. “Mein Sohn braucht Unterstützung, er darf nicht weiter abrutschen, ich Sorge mich um ihn.” In Wirklichkeit braucht sie ihren Sohn, weil sie selbst Haltlos ist. Ihre Kinder braucht sie als Selbstwertbooster und durch ihre Jungs glaubt sie die nötige Anerkennung zu bekommen. Dadurch gerät sie immer wieder in den Konflikt mit ihrem jetzigen Partner, weil er die Mutter-Sohn-Beziehung hinterfragt und vielleicht sogar zu lockern versucht. Ein Paradoxon: So sehr die Mutter die Unterstützung wünscht und auch braucht, so sehr entzieht sie dem männlichen Partner die Verantwortung, sobald sie an ihre Grenzen kommt.

    Wie lässt sich diese Situation, die in vielen ähnlichen Familien Konstellationen vorkommen, nun lösen? Einen klaren, definierten Weg gibt es nicht. Dazu sind einfach zu viele Akteure mit unterschiedlichsten sozialen Gefügen involviert.

    Was brauchen Jungen, damit sie sich möglichst frei und selbstbestimmt zum Mann entwickeln können?

    Um das zu beantworten, müssen wir erst einen Blick auf die “Aufgaben der Pubertät” werfen.

    Der Körper des Jungen verändert sich.

    Angetrieben durch das männliche Hormon Testosteron verändert sich der Junge, neue Möglichkeiten des Körpers werden entdeckt und erforscht und der Heranwachsende wird geschlechtsreif. Der Körper ist nicht mehr der Selbe, dementsprechend kann das den Jungen verunsichern.

    Auch das Gehirn entwickelt sich und baut sich neu auf.

    Neuronale Verbindungen, die für den Jungen als Kind wichtig waren, jetzt aber nicht mehr gebraucht werden, bilden sich zurück oder verschwinden komplett. Statt dessen reifen Verbindungen, die derzeit und in Zukunft für den Heranwachsenden wichtig sind oder sein können.

    Das soziale Verhalten des Jungen verändert sich.

    Er spürt den Drang sich im Außen zu Orientieren, seine Grenzen zu erweitern und neues zu entdecken. Die Peergroup, also die Gruppe der Gleichaltrigen wird zu seiner “Familie”. Dort kann er sich beweisen, findet die Anerkennung und Bestätigung die er braucht und kann sich in Konflikten üben. Die Herausforderung, die er hat ist, dass er sich von seiner Stammfamilie abwendet. Das ist eine der wichtigen Veränderungen, er entdeckt sein eigenes ICH, will seine Männlichkeit definieren. Das geht aber nicht in der eigenen Stammfamilie. Dafür muss er das Nest verlassen.

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      Der Junge will ausfliegen. Was, wenn aber die Flügel gestutzt werden?

      ABER: Der Junge kann das aber nicht, ohne seine Mutter emotional zu treffen. Mit seinem Prozess der Lösung verletzt er seine Mutter. Auch das will er nicht. Seine Mutter sollte ihm den Schutz bieten, den er braucht um sein neues Territorium bestmöglich erobern zu können. Wenn da mal was schief geht, braucht er den Rückhalt seiner Mutter. Wenn und die Mutter aber klammert, Verlustängste hat und ihren Sohn als Bestätigung braucht, entsteht in der Konsequenz eine Ambivalenz, die der Junge von sich aus nicht lösen kann.

      Dies hat oft zur Folge, dass die Söhne rebellieren und aggressiv reagieren. Vor allem gegen die eigene Mutter, weil sie erahnen können, dass sie der Ursprung und der Grund für das Unwohlsein tief im Inneren des jungen Mannes ist.

      Welche Rolle spielt der leibliche Vater in der Konstellation?

      Menschen können sich nur dann frei entwickeln, wenn sie sowohl Schutz und Geborgenheit bekommen, aber darin nicht gefangen bleiben UND nach neuen Ufern streben können.

      Ein Kind braucht beide Seiten die im Leben des Jungen immer wieder unterschiedlich gewichtet sind. Sosehr sich alleinerziehende Mütter oder auch Väter bemühen, beide Seiten, also Geborgenheit, Bewahren und Sicherheit sowie Aufbruch und Veränderung unter einen Hut zu bringen. Es wird wahrscheinlich nicht gelingen. Alleine schon durch ihre Grundeinstellung werden sie unbewusst in die eine oder andere Richtung driften. Diese Richtung wird auch tendenziell mehr auf das eigene Wohlergehen als das des Kindes ausgerichtet sein. Auch wenn es meist ohne es zu wollen einfach so passiert.

      Deshalb braucht es sowohl den männlichen als auch den weiblichen Teil, damit der Junge sich entwickeln kann. Wenn das nicht gegeben ist, wird der Junge sich den inneren Ausgleich suchen. Vielleicht reagiert er aggressiv, vernachlässigt seine Pflichten, lässt die Schule schleifen oder, wie in unserem Fall, ist in Gefahr abzudriften.

      Ein “Patchwork-Partner” kann die Rolle des leiblichen Elternteils nur bedingt erfüllen. Meist leben die Kinder bei der Mutter, sie gibt die Sicherheit und die Basis. Die Mutter-Kind Beziehung ist also die Stabile. Der dynamische Ausgleich durch den “Stiefvater” wird gerade von Jungen wenig angenommen, teilweise sogar blockiert. Vor allem am Anfang einer neuen Partnerschaft. Da ist der “neue” Partner sehr gefordert, das Verhalten des Jungen zu verstehen, emotionale Verletzungen erstmal wegzustecken und dranzubleiben. Dafür muss er seinen den “Stiefsohn” so akzeptieren, als ob es der eigene Sohn wäre.

      Was kann jetzt passieren, damit der Sohn weniger aggressiv gegenüber der Mutter ist?

      1. Die Mutter muss verstehen, was in ihrem Sohn vorgeht, warum er so ist wie er ist. Und sie muss einsehen, dass nicht sie sondern ihr Verhalten der Ursprung alles Übels ist. Das alleine ist schon sehr viel Wert und kann eine grundlegende Verhaltensänderung des Jungen bewirken.
      2. Als nächstes ist es nötig, dass die Mutter ihren Sohn loslässt, ihn nicht mehr “bemuttert” und ihn vielleicht sogar dabei unterstützt, eigene Wege zu gehen. Der Junge wird Anfangs vielleicht ein wenig verstört reagieren, sich unsicher fühlen und nicht genau wissen, was jetzt passiert. Da hilft ein Gespräch mit ihm. Eine wohl gemeinte Erklärung, dass es jetzt langsam an der Zeit ist, dass er selbstständig und selbstverantwortlich Entscheidungen trifft. Dazu gehört natürlich auch, dass er die Konsequenzen für falsch getroffene Entschlüsse trägt.
      3. Wichtig ist in dem Prozess jedoch, dass der Junge sicher weiß, dass die Mutter hinter ihm steht. Und das kann man wortwörtlich nehmen: dahinter stehen bedeutet weder drücken oder ziehen noch ihn in die Richtung schupsen, die man für die richtige hält. Nein, dahinter stehen bedeutet, dass der Heranwachsende weiß, es gibt eine Person, die ihn so liebt und schätzt wie er ist. Und ihn unterstützt und beschützt, wenn es mal schwierig ist.
      4. Der Kontakt zum leiblichen Vater sollte, sofern möglich, intensiviert werden. Auch der Vater muss wissen, dass sein Sohn sich gerade auf dem Weg zum Mann befindet. Der Junge ist im Wesentlichen ein Forscher, auf der Suche nach seinem ICH, seiner Form von Männlichkeit und seiner Aufgabe im Leben. So gut wie alle Jungen im Alter von 12, 13 ,14 oder älter sagen mir, dass sie viel Zeit damit verbringen nachzudenken, den Tag und ihr Verhalten zu reflektieren. Damit drücken sie im Wesentlichen aus, dass sie ihre Rolle noch nicht gefunden haben. Sie haben ihren Platz in ihrem Leben noch nicht definiert. Den Platz, die Rolle zu finden, dabei kann der Vater eine wichtige und entscheidende Rolle spielen.
      5. Männers-Urlaub für Vater und Sohn bietet auch ein Abenteuer für Mutter und Sohn an. In dem Camp geht es genau darum, dass Mütter erkennen wie ihre Söhne ticken, wie sie sich in der Peergroup, also unter Gleichaltrigen verhalten und sie lernen, was ihr eigener Sohn tatsächlich braucht, um zu dem Mann heranwachsen zu können, den wir uns so sehr für unsere Söhne wünschen: Männer, die wissen was sie wollen, aufmerksam und großzügig sind und Verantwortung für sich und andere übernehmen. Weil, die Jungen von heute sind die Männer von Morgen.

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        1 comment
        1. Interessanter und spannender Artikel. Vor allem deshalb, weil er einige Aspekte anspricht, die eigentlich ziemlich klar sind aber im Alltag untergehen. Vielen Dank für den und all die anderen hilfreichen Artikel.

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