Corona Jugend in der Krise

Corona Jugend

Corona ist, trotz neuer Höchstwerte, gefühlt auf dem Rückmarsch, Putin im Vormarsch. Es ist eine krasse Zeit, schon für uns Erwachsene. Wie ist das wohl für die Jugend unsere Söhne und Töchter? Die Spuren, ganz zu schweigen von den Gräben und Gräbern, die Corona hinterlassen hat, betrifft auch unsere Kinder. Wahrscheinlich in größerem Ausmaß als wir es uns vorstellen können. Weil es wichtig ist, schauen wir die Corona Jugend mal genauer an.

Österreich, Deutschland, die Schweiz und viele andere Länder haben die tiefgreifenden Coronamaßnahmen so gut wie beendet. Der Freedom Day, wie dieser Tag hier in Österreich heißt, wurde gefeiert.

Man könnte meinen, das ist das Ende der Pandemie, hoffentlich und endlich.

Corona zieht sich zurück, viele Herausforderungen bleiben. Leider! Mein Job als Experte für Eltern-und Jungen Coaching veranlasst mich sehr genau auf das Leben der Jugendlichen in den letzten 2 Jahren zu blicken, die Corona Jugend. Das was ihnen fehlte, vom Virus und den damit beschlossenen Einschränkungen genommen wurde, ist eine Betrachtung wert. Dabei geht es vor allem um die jetzt 12- bis 16-Jährigen. Jene Kinder und Jugendlichen, die am Beginn des Albtraumes, also im März 2020 ca. 10 bis 14 Jahre alt waren. Vielleicht auch dein Sohn, am Beginn oder mitten in seiner Pubertät.

Das veränderte Verhalten vieler Jungen während und jetzt, nach der Pandemie, ist wie die Sirene, die vor dem Hurrikan warnt. Wir sollten die Warngeräusche beachten, nicht beschimpfen. Es geht darum, das Warum zu betrachten, statt am Verhalten des Sohnes zu verzweifeln. Viele Eltern haben bemerkt: Im Inneren der Jungen rumort es nicht nur, es rumst!

Lass uns vorerst mal einen Blick auf eine der wichtigen Aufgaben bei Jungen in der Pubertät werfen:

Jungen in der Pubertät haben den inneren Drang, sich langsam vom Elternhaus, von den Geschwistern zu lösen und ihr eigenes Ich zu finden. Die Krux an der Sache ist, wenn ich irgendwo weggehe, muss ich irgendwo hin. Das war vor der Seuche die Peergroup, die Gruppe der Gleichaltrigen, zu der die Jugend sich magisch hingezogen fühlte. Diese wichtige Gruppe, die Rollenvorbilder und Austauschmöglichkeiten bietet, fanden sie in Sportvereinen, auf Partys, in kuscheligen Ecken, an Lagerfeuern im Sommer, beim gemeinsamen Baden im See ums Eck und natürlich in der Schule.

All das war nötig, damit der Junge Vorbilder außerhalb des Familienbundes finden konnte. Gleichaltrige, an denen er sich messen wollte, Verhaltensweisen aneignen und überprüfen konnte und so die Möglichkeit hatte, an seinem Rohbau der Männlichkeit zu arbeiten.

Aber, das war in den letzten zwei Jahren kaum möglich. Dauernd bewegten sich die Jugendlichen an der Kante der Illegalität wenn sie Freunde trafen. Viele Jungs blieben in der Folge daheim, verkrochen sich in ihre Höhle und spielten Onlinespiele. Die sozialen Bedürfnisse der Jungs wurden nicht reduziert, sie wurden amputiert.

Jugendliche müssen erst lernen, komplexe Konflikte zu lösen. Klar, ein paar Möglichkeiten, Konflikte zu lösen, kennen sie bereits. Im Streit mit Eltern oder Geschwister haben sie verschiedene Möglichkeiten erprobt, wie du wahrscheinlich bestätigen kannst. Die Herausforderung ist, diese Konflikte kennen sie bereits, da gibt es nicht viel Entwicklungspotential.  

Konfliktfähigkeit zu erlernen, sich eine eigene Meinung zu bilden, ist eine wichtige neue Aufgabe der Heranwachsenden. Vor allem im sozialen Umgang mit den Peers, können Sie neue Strategien entwickeln, ausprobieren und gegebenenfalls korrigieren. Sie lernen aus Fehlern zu lernen. Real, mit echten Menschen. Der Unterschied zwischen einem Computerspiel und dem realen Leben ist, dass es in der Peergroup keine Avatare gibt. Hier stolpert immer das Original. Ein Extraleben kann nicht dazugekauft werden. Es muss sich, durch neue, veränderte Verhaltensweisen, verdient werden.

Sensible Phasen in der Corona Jugend

In der Psychologie spricht man von sensiblen Phasen. Das sind Phasen in denen die, für den zukünftigen Lebensabschnitt wichtigen Eigenschaften besonders leicht und schnell erlernt werden. Besonders sensible Phasen gibt es im Leben zwei, die erste im Kleinkindalter, die zweite, du ahnst es, in der Pubertät. In der Forschung geht man davon aus, dass Fähigkeiten, die in diesen Phasen nicht erlernt werden, später nur sehr schwer nachzuholen sind. Es sind die Phasen im Leben, in denen sich viele Merkmale der Persönlichkeit entwickeln. Da sind soziale Kontakte immens wichtig.

Es gibt noch weit mehr Corona bedingten Nachholbedarf bei Kindern und Jugendlichen, wie wissenschaftliche Studien bereits belegt haben. Ich denke da an den Bewegungsmangel während der Lockdowns, die erhöhten Bildschirmzeiten während der gesamten Pandemie, die Unlust für Schule oder Leben etwas zu tun oder die gestiegene Rate an depressivem, teils selbst verletzendem Verhalten bei Jugendlichen und sogar Kindern.

Unsere Aufgabe als Eltern ist es hinzuschauen, zuzuhören und zu unterstützen. Wir sind es, die die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Kinder haben. Auch dann, wenn sie sich schon auf den Weg in die Welt der Erwachsenen gemacht haben. Wer, wenn nicht wir, wissen, wie diese Welt aussieht, vor allem aber, wie der Weg dorthin am besten zu beschreiten ist. Schließlich sind wir ihn schon gegangen.


Wie du diese Aufgaben am besten bewältigen kannst, darum geht es auch im BoysUp Online Seminar, in welchem ich einmal pro Monat mich mit aktuellen Themen über unsere Jungs und Erziehung beschäftige.


Wie siehst du die Situation der Corona-Jugend, welche Erfahrungen hast du mit deinen Kindern gemacht? Schreibe in die Kommentar, wie du die momentane Situation erlebst.

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