Väter, denkt jetzt mal zurück, wie es euch als Junge ging!

Vater und Sohn, Ratgeber, Jungencoaching

Väter geben ihr soziales Verhalten an die Söhne weiter  

Jetzt kommt mal eine harte Aussage. Väter mit schwachem Kreislauf empfehle ich, diesen Artikel mit Vorsicht zu genießen.

Ich behaupte: Wie Söhne sich in bestimmten Situationen verhalten, liegt sehr häufig am Verhalten der Väter, also an deinem Verhalten! Um diesen Kreislauf zu unterbrechen und deinen zu schonen, möchte ich dich auf eine Reise einladen. Eine Reise in deine eigene Vergangenheit. Du brauchst wirklich nicht viel Zeit. Nur ein paar Minuten Ruhe ab und zu. Und diese paar Minuten findet jeder Vater. Deine Reise kann schmerzliche Erinnerungen wecken und deshalb hast du vielleicht Angst davor. Aber je größer deine Angst ist, umso dringender solltest du als Vater diese Reise antreten.

Deine Reise: Denk einfach mal zurück,  wie es dir ging, als du in etwa so alt warst, wie dein Sohn jetzt. Klar, das kostet ein wenig mehr Hirnschmalz, ist diese Zeit wahrscheinlich ein paar Jährchen her. Wenn du diese „Zeitreise“ aber wagst und ehrlich zu dir bist, kommst du auch zu Fragen wie z.B.: „Wie war mein eigener Vater? Wie ist er mit mir umgegangen?“ Und dann bist du schon am Ziel deiner Reise angekommen. Denke einfach an konkrete Situationen, wie dein Vater mit dir umgegangen ist. Wie war er beispielsweise:

  • wenn du ihn um Rat gefragt hast?
  • wenn du schlechte Zensuren nach Hause gebracht hast?
  • wenn es um das Thema Sexualität ging?
  • wenn du mal Angst hattest?
  • wenn du ihn um etwas gebeten hast?
  • wenn du traurig und verletzt oder mal sehr stolz auf eine Leistung warst?

War er laut und aufbrausend? War er sehr fordernd oder hat er sich eigentlich gar nicht für dich interessiert? Wann war er liebevoll? Was hat dir in der Begegnung mit ihm gutgetan – denn das wollen wir nicht vergessen – und was hast du gehasst? Wie ging es dir dann?

Väter geben Verhalten an ihre Söhne weiter
Das Verhalten von Jungs wird von ihren Söhnen geprägt

Wie Söhne sich verhalten, liegt nicht an den Genen

Manche Verhaltensweisen vererben sich über Generationen und unbewusst gibst auch du sie weiter – an deinen Sohn. Dieser Effekt der Weitergabe von Verhalten an die nächste Generation ist wissenschaftlich gut untersucht und erwiesen. Ob Kinder mit ihrem Sozialverhalten in die Fußstapfen ihrer Eltern treten, ist jedoch nicht in den Genen festgeschrieben, sondern liegt vor allem am Verhalten der Eltern.

Vielleicht wurde in der Familie deines Vaters nicht oder nur sehr wenig gesprochen. Entsprechend verschlossen war er vielleicht auch dir gegenüber. Stimmts? Du hättest dir von deinem Vater mehr Aufmerksamkeit gewünscht. Und du tust es vielleicht immer noch.

Vielleicht war er immer voll von unterdrücktem Zorn, der sich dann und wann Bahn gebrochen hat? Hatte er sehr klare Vorstellungen davon, wie du zu sein hattest, was „man(n)“ tut und was nicht? Und hat all das eingefordert, mit allen Mitteln, auch wenn sie komplett gegen dein Wertesystem, deine Einstellung und deine Sicht auf das Leben verstoßen haben? Richtig?

Wenn du auf deiner Reise an diesen Punkten angekommen bist, solltest du dich wieder auf in die Gegenwart machen. Und jetzt sei ganz ehrlich zu dir. Welche Charakterzüge, welche Verhaltensweisen, die daraus resultieren, erkennst du bei dir wieder? Bist du aufbrausend? Verlierst du auch zu schnell die Geduld? Neigst du zum Abwerten? Erkennst du Strategien, Gesten, Redensarten oder Tonfälle, die du von deinem Vater übernommen hast? Wenn du dir da schwer tust, frage deine Partnerin, sofern du noch eine hast. Oder frag doch deinen Sohn, ob er seinen Opa in dir wiedererkennt. Das wichtigste aber ist: denke zurück, wie du dich in solchen Momenten gefühlt hast. Denn dann weißt du, wie sich dein Junge fühlt. Und das ist, leider wahrscheinlich in Bezug auf deinen Vater, nicht wirklich gut.

Wie Väter zu echten Helden werden können

Besonders bei Verhaltensweisen, die unangenehm oder sogar schädlich waren, ist es wichtig, dass du diesen Kreislauf unterbrichst. Stell dir mal vor, wie geil das wäre, wenn dieser – entschuldige – Scheiß, der in deiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde, mit dir enden würde. Wenn du der letzte in einer Reihe von verletzten Söhnen sein könntest! Dann wirst du zu einem echten Helden. Vor allem für deinen Sohn!

Du kannst sein wie dieser Typ aus dem Filmklassiker „Exorzist“: Der Pfarrer, der sich, als der Dämon vom Kind in ihn übergegangen ist, aus dem Fenster stürzte, um sich und somit den Dämon in ihm zu töten. Du sollst dich natürlich nicht heroisch aus dem Fenster stürzen! Aber du sollst und kannst die Dämonen deiner Familie besiegen. Und zwar endgültig. Dafür musst du sie nur kennen. Und auf deiner gedanklichen Reise zurück, wie es dir als Junge ging, wirst du diese Dämonen kennenlernen.

Diese Reise hilft dir, nicht nur toxische Verhaltensweisen zu identifizieren. Es muss ja nicht immer gleich um Gewalt im weitesten Sinne gehen. Sie hilft dir ganz allgemein, dein eigenes Verhalten deinem Sohn gegenüber zu verstehen. Ich gebe dir ein Beispiel: Vielleicht lässt du deinem Jungen jeden Freiraum und vergisst darüber, ihm auch hilfreiche Grenzen zu setzen? Vielleicht streitest du sogar mit deiner Partnerin deswegen? Das kann daran liegen, dass dein eigener Vater dir viel zu enge Grenzen gesetzt hat und du bewusst oder unbewusst bereits alles daransetzt, nicht so zu werden wie er. Manchmal ist gut gemeint aber nicht gut gemacht. Wenn du das erkennst, kannst du einen hilfreichen Mittelweg finden. Das ist in den Vater&Sohn Camps und in den vielen Jungen und Eltern von Jungs Coaching immer wieder ein Thema: Grenzen setzen! Nur mit Grenzen können sich Jungen orientieren, haben Anhaltspunkte und wissen, was von ihnen erwartet wird.

Nimm einen Freund mit auf die Entdeckungsreise zu deinem Verhalten

Eine solche „Zeitreise“ hilft dir also immer, dein eigenes Verhalten besser zu verstehen. Aber sich selbst zu erkennen, in seiner eigenen Vergangenheit rumzukramen, ist nicht immer angenehm. Manchmal ist es besser, diese Reise nicht allein zu machen und einen guten Freund mitzunehmen. Je besser er dich kennt, umso hilfreicher ist er als Begleitung. Aber in jedem Fall ist er an deiner Seite und zu zweit lässt sich manche schmerzhafte Erinnerung besser ertragen. Vielleicht hat er sogar sehr ähnliche Erfahrungen gemacht? Sei dir sicher, genug zum Ausmisten gibt es in jeder Familie. Nicht hinter allem steckt böse Absicht. Auch dein Vater hat dir nur das weitergegeben, was er von seinem Vater aufgepackt bekommen hat. Aber manches davon nervt trotzdem. Manches ist schlecht für deinen Sohn. Wenn dir diese Möglichkeit sympathischer ist, kannst du dich auch von mir begleiten lassen.

Das Tolle ist, dass du jetzt die Möglichkeit hast, diesen Ballast abzuwerfen. Diesen ganzen Mist nicht auf den noch schmalen Schultern deines Sohnes abzuladen, das ist eine echte Heldentat. Das wird auch dein Sohn erkennen. Und er wird es dir danken, wenn du den Mut aufbringst, die toxischen Verbindungen der Vergangenheit zu kappen.

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