Initiation und Übergangsrituale für Jungen

Übergänge und Rituale und Initiation für Jungen

Seit Jahrtausenden wird der Übergang von der Jugend in das Erwachsenenalter von Riten begleitet. Mehr sogar, meist wurde er mit Hilfe starker Riten erst möglich. Diese uralte Tradition, die Jungen Halt und Orientierung gab, wurde mit dem Aufkommen der Industrialisierung und der damit verbunden bequemen Lebensweise jäh abgebrochen. Das Verschwinden dieses Rituals der Initiation hat weitreichende Folgen für unsere Söhne, damit auch für uns, vor allem aber für die Zukunft der Jungen. Warum das so ist, welche Folgen das Fehlen des offiziellen Übergangs und was getan werden kann, beleuchten wir in diesem Artikel.

Endlich ist es passiert – starke Rituale

Jungen, die bereits ihre Pubertät abgeschlossen haben, also ihre Geschlechtsreife erreicht haben, befinden sich zwischen zwei Welten. Sie haben die Achterbahnfahrt der körperlichen Heranreifung abgeschlossen, wissen nun, welche euphorischen Gefühle sexuelle Handlungen hervorrufen und nutzen das wahrscheinlich auch. Sie fühlen sich zu Geschlechtspartnern hingezogen und haben vielleicht auch darin erste Erfahrungen gemacht.  

Sie genießen ihre neu gewonnene Kraft, die sich verdoppelte Muskelmasse und freuen sich wahrscheinlich über das, was sie mit ihrem erstarkten Körper alles tun können. Man kann es deutlich sehen: aus dem Jungen ist ein Mann geworden.

Die mentale, also die hirnspezifische Entwicklung dauert noch an. Bis die neurologischen Verknüpfungen ihre, zu dem Zeitpunkt benötigte Ausprägung, erreicht haben, wird es noch etwa bis zum 24 Lebensjahr dauern. Auch damit hat der junge Mann und sein Umfeld mehr oder weniger gelernt umzugehen. Also eigentlich alles gut, das Schlimmste ist überstanden. Leider eben nicht ganz.

Saufen, Raufen und Kiffen – Weder Mann noch Kind!

Der junge Mann befindet sich noch immer zwischen zwei Welten. Er befindet sich immer noch in der Phase des Suchenden: woher komme ich, wohin will ich, was ist der Sinn meines Lebens, sind Gedanken, die männliche Jugendliche begleiten. Weitere, prägende Fragen, die sie sich in dieser wichtigen Lebensphase stellen, ist: “Wie geht denn eigentlich Männlichkeit, was für ein Mann will ich sein? Was bedeutet es eigentlich Erwachsen zu sein? Wer sind meine Vorbilder?”

Wo will ich hin und wie weiß ich, dass ich dort angekommen bin?

Du kennst das doch selbst, du fährst in den Urlaub, oder fliegst oder nimmst den Zug. Irgendwann, nach dieser mehr oder weniger anstrengenden Reise erreichst du dein Ziel: „Erstmal ankommen“ ist vielleicht deine Antwort auf die Frage deiner Kids, ob du mit ihnen in den Pool magst. Erstmal ankommen!

Viele wichtige Geschehnisse haben einen klaren Beginn und noch wichtiger, ein definiertes Ende. Du machst den Führerschein und wenn du den Lappen in der Hand hast, darfst du Auto fahren. Aber eben erst dann!

Du wirst eingeschult, die erste Euphorie endlich in die Schule zu dürfen, wird von der Realität eingeholt und verfliegt. Und so hangeln sich Jungen von Klassenarbeit zu Klassenarbeit, von Prüfung zu Prüfung um dann am Ende des Schuljahres ein möglichst gutes Zeugnis zu erhalten. Die Bestätigung, in die nächste Klasse aufsteigen zu dürfen.

Viele dieser Prüfungen, Bestätigungen und Zeugnisse, erarbeitet im Schweiße des Angesichts, begleitet von Ängsten und Unsicherheiten führen bei den meisten Jungen direkt, oder auf kleineren Umwegen, zur großen Prüfung, der Schulabschlussprüfung: dem Abitur oder die Matura, wie diese Prüfung in Österreich und der Schweiz genannt wird. Das ist dann die Bestätigung dafür, dass der junge Mann die Schule abgeschlossen hat, eine “Reifeprüfung” die auch wieder ein Schlüssel für ein besonderes Schloß ist: die Berechtigung eine Hochschule, eine Universität besuchen zu dürfen – studieren zu können.

Der Führerschein, der Stufenabschluss, das Abitur, auch die Trauung – all das und noch viel mehr Zeremonien und Rituale beweisen, dass ein Abschnitt abgeschlossen wurde und ein neuer beginnt. Außer der Abschnitt von der Jugend in die Welt der Erwachsenen, da gibt es das nicht.

Ein ritueller Übergang ist der Eintritt in eine neue Welt.

Es gibt noch eine ganze Menge anderer, kleiner aber auch großer “Übertritte” die dem Jungen beweisen und ihm klar machen: ich habe gerade eine neue Türe geöffnet und, vor allem, ich habe einen neuen Raum betreten. Nur in einem, so wichtigen und Orientierung gebenden Lebensabschnitt gibt es das eben nicht: der Übergang vom Jungen, männlichen Jugendlichen zum erwachsenen Mann.

Jungen und männliche Jugendliche brauchen das aber. Sie suchen Orientierung, wollen wissen, wo sie zugehörig sind. Sie brauchen die Zustimmung und Zeugen dafür. Wenn es kein Angebot gibt, keine Aufnahmeprüfung in die neue Welt der Männer, schaffen sie sich solche selbst: Komasaufen als Beweis der Zugehörigkeit, gefährliche Aktionen als Beweis ihres Mutes. Sie finden immer vor Zeugen statt, Menschen denen gezeigt werden kann, wie viel Mann in ihnen steckt.

Das ist gefährlich, vor allem aber, es befriedigt die Sehnsucht nach der offiziellen Zugehörigkeit nicht. Sie wollen wissen, wann der Weg zu Ende ist. Was sie brauchen sind Männer, die ihnen sagen wann sie angekommen sind und ihnen zeigen, dass sie aufgenommen wurden. Angekommen und aufgenommen in der Welt der Männer. Das ist das, was viele männliche Jugendliche, junge Männer aber auch erwachsene Männer suchen – und selten finden.

Initiation Programm für Jungen ab 15 by BoysUp.de und Maenners.com - Anton Wieser
“The Circle” – Das Initiations Programm für Jungen ab 15 Jahre. By BoysUp – Coaching für Jungen und Eltern und Männers-Urlaub für Vater&Sohn

Nur wenn die Eltern mit an Bord sind, klappt der Übergang

Nicht nur die Jungen selbst, auch die Eltern sind wichtig. Was nützt es, wenn der Junge sich zur Welt der Erwachsenen zugehörig fühlt, er aber, wieder daheim, von einer überfürsorglichen Mama bemuttert, gefüttert und bedient wird. Oder sein Vater ihm wieder und wieder sagt, was er zu tun und was zu lassen hat. Dann hat das Ganze keinen Sinn. Schnell wird der junge “Mann” wieder in seine alten Rolle fallen. Jene, die er schon gut kennt und gelernt hat zu leben: In die Rolle des unreifen Kindes.

Auch von den Eltern muss er als Erwachsener, mit alle den dazugehörenden Rechten, aber auch Pflichten, gesehen und vor allem, behandelt werden. Sonst war die ganze Aktion zwar ein nettes Abenteuer, von wirksam und nachhaltig ist man aber weit entfernt. Daher – auch die Eltern müssen in diesen Prozess eingebunden werden. Auch sie brauchen Unterstützung, wie behandelt man einen jungen Mann, auch wenn es der eigene Sohn ist.

Es gibt viele dieser Übergänge, auch Angebote die Jungen zu Männern machen sollen. Das kann aber nicht klappen, wenn die Eltern, das Umfeld den jungen Mann nicht als solches behandeln. Da verdampft der Effekt schneller, als der Junge denken kann. Er bleibt solange in seiner Rolle als rebellierender Jungendlicher, als unreifes Kind bis der Mann förmlich aus ihm herausbricht und er mit Pauken und Trompeten, mit nich zu übersehnenden Kollateralschäden seine Fesseln abwirft und sich in die Welt der Erwachsenen vorkämpft. Was dabei herauskommt sind häufig wieder – unreife Erwachsene, kindliche Männer die sich schlecht in der Welt zurechtfinden.

Diese Herausforderung ist uns schon lange bewusst, in vielen Coaching ist die Herausforderung genau dem Geschuldet: Jungen die nicht wissen, warum sie was, wann tun sollen.

Deshalb haben wir endlich das Programm entwickelt, von dem wir überzeugt sind: das hilft Jungen und deren Eltern, es gibt Jungen den Schlüssel in die Welt, die sie suchen und so dringend brauchen: die Welt der erwachsenen Männer. “The Circle” heißt das Programm: Hier kommst du direkt dorthin: “The Circle”

2 comments
  1. Initiation für Jungen? Ja, wie wichtig das ist. Ich habe immer wieder verschiedene Aktionen mit meinem Sohn (16) gemacht, große Reisen, draussen in der Natur übernachtet, Feuer gemacht usw. Intuitiv dachte ich, dass ist das was er braucht um Erwachsen zu werden. Ein Programm, in dem die Jungs professionell begleitet werden und von Männern in die Welt der Männer eingeführt werden – Goldwert! Ich denke, wenn mein Sohn will, werde ich ihn als großen, finalen Abschluss zu dem Programm anmelden. Schickt ihr mir bitte Infos zu? Danke!
    Habe euch eine Nachricht geschickt!

    1. Hi Marko, vielen Dank für deine Nachricht hier auf Boys-Up. Ich kann jetzt natürlich nicht sagen, ob du diese Nachricht liest. Aber…, du schreibst, du hättest uns eine Nachricht zukommen lassen. Leider haben wir sie nicht erhalten. Schreib doch bitte an office(at)maenners .com, dann werden wir sie erhalten und dir gleich Infos zukommen lassen.

      Alles Gute, Anton

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